Kniearthrose · Gonarthrose
Kniearthrose — Befund, Behandlung und Zeitpunkt
Die Kniearthrose (Gonarthrose) ist der Verschleiss des Gelenkknorpels. Sie entwickelt sich langsam über Jahre und verläuft selten geradlinig. Vieles lässt sich behandeln, bevor eine Operation infrage kommt.
Anzeichen
Woran sich eine Kniearthrose bemerkbar macht
Die Beschwerden beginnen meist unauffällig und kommen in Wellen. Dass das Knie zwischendurch über Wochen ruhig bleibt, spricht nicht gegen eine Arthrose.
- AnlaufschmerzAm Morgen oder nach längerem Sitzen schmerzen die ersten Schritte. Der Schmerz klingt nach kurzer Zeit wieder ab.
- BelastungsschmerzTreppensteigen, längeres Gehen und Stehen werden mühsamer. Manche Betroffene spüren zusätzlich eine Unsicherheit im Knie.
- Eingeschränkte BeweglichkeitDas Knie lässt sich nicht mehr ganz beugen oder strecken. Bücken, Knien und der Einstieg ins Auto fallen schwer.
- Schwellung nach BelastungNach längeren Wegen schwillt das Gelenk an; es fühlt sich dick und gespannt an, oft erst am Abend.
Treten die Schmerzen auch in Ruhe und nachts auf, spricht das für ein fortgeschrittenes Stadium. Dann ist eine Untersuchung sinnvoll, unabhängig davon, wie lange die Beschwerden schon bestehen.
Der Befund
Was das Röntgenbild zeigt und was nicht
Im Röntgenbild werden die Höhe des Gelenkspalts, knöcherne Randanbauten (Osteophyten) und eine Verdichtung des Knochens unter dem Knorpel (subchondrale Sklerose) beurteilt. Daraus ergibt sich die Einteilung nach Kellgren und Lawrence.
Die Einteilung kennt fünf Grade, Grad 0 bis Grad 4. Bei Grad 0 zeigt das Röntgenbild keine Arthrosezeichen, Grad 4 beschreibt einen weitgehend aufgebrauchten Gelenkspalt.
Der Grad beschreibt das Bild Wie stark Ihr Knie schmerzt und was im Alltag noch möglich ist, lässt sich daran nicht ablesen.
Bild und Beschwerden gehen auseinander Ein hoher Grad kann mit wenig Schmerz einhergehen, ein niedriger Grad mit starkem. Das ist gut untersucht.
Das Bild allein entscheidet nichts Es wird zusammen mit der körperlichen Untersuchung, der Vorgeschichte und Ihrer Belastung im Alltag beurteilt.
Ein MRI (Magnetresonanztomografie) ist nicht in jedem Fall nötig. Es hilft dort weiter, wo Meniskus, Bänder oder der Knochen unter dem Knorpel eine eigene Rolle spielen könnten.
Ohne Operation
Behandlung ohne Operation
Diese konservative Behandlung beginnt mit Bewegung. Die Leitlinien nennen die Bewegungstherapie an erster Stelle, vor dem Medikament und vor der Spritze. Knorpel ist auf Belastung angewiesen; ein Gelenk, das dauerhaft geschont wird, verliert an Qualität.
Viele kommen mit dieser Behandlung über Jahre zurecht; bei anderen sind die Möglichkeiten irgendwann ausgeschöpft. Auch das wird besprochen.
- BewegungstherapieSie baut die Muskulatur auf, die das Knie führt, vor allem am Oberschenkel. Die Übungen leitet die Physiotherapie an.
- Belastung und GewichtBei jedem Schritt lastet ein Vielfaches des Körpergewichts auf dem Knie. Weniger Körpergewicht entlastet das Gelenk deshalb bei jedem dieser Schritte.
- SchmerzbehandlungSchmerzmittel werden zeitlich begrenzt eingesetzt, mit dem Ziel, Bewegung wieder zu ermöglichen. Welches Präparat infrage kommt, hängt von Vorerkrankungen und den übrigen Medikamenten ab.
- HilfsmittelEin Gehstock auf der Gegenseite nimmt Last vom Knie; die Leitlinien empfehlen ihn ausdrücklich. Einlagen und Orthesen (Stützen und Schienen) kommen nur infrage, wenn die Bewegungstherapie allein nicht ausreicht. Zudem muss das Gelenk instabil sein oder die Beinachse die Last deutlich ungleich verteilen.
Was von Spritzen ins Gelenk zu erwarten ist
Bei Spritzen ins Gelenk (Infiltrationen) ist die Erwartung oft grösser, als die Datenlage stützt.
- KortisonBelegt ist eine kurzfristige Linderung des Schmerzes über Wochen, nicht über Jahre. In dieser Zeit kann die Bewegungstherapie greifen. Wiederholte Kortisonspritzen werden zurückhaltend eingesetzt. Vor einem Kniegelenkersatz sieht die Leitlinie wegen des Infektionsrisikos mindestens sechs Wochen, besser drei Monate Abstand zur Kortisonspritze vor.
- HyaluronsäureDie britische Leitlinie NICE NG226 (National Institute for Health and Care Excellence) rät von dieser Spritze ab.
- Eigenbluttherapie (PRP, plättchenreiches Plasma)In einer grossen placebokontrollierten Studie linderte diese Spritze den Schmerz nicht stärker als eine Kochsalzlösung. Die Leitlinie des American College of Rheumatology (ACR) rät davon ab.
Ziel jeder Behandlung, auch der konservativen, ist der Erhalt der Beweglichkeit.
Der Zeitpunkt
Wann ein Gelenkersatz infrage kommt
Ein künstliches Kniegelenk folgt nicht zwangsläufig auf eine Kniearthrose. Infrage kommt es, wenn mehrere Voraussetzungen zusammentreffen.
Die deutschsprachige Leitlinie zur Knieendoprothese nennt dafür fünf Kriterien. Keines davon genügt für sich allein.
- Anhaltender SchmerzDie Schmerzen bestehen seit mindestens drei Monaten und bestimmen den Tagesablauf.
- Fortgeschrittene Arthrose im RöntgenbildDas Röntgenbild im Stehen (unter Belastung) zeigt Grad 3 oder 4 nach Kellgren und Lawrence. Dieser Befund muss zu dem passen, was die körperliche Untersuchung ergibt.
- Erfolglose konservative BehandlungDie beschriebenen Behandlungen wurden mindestens drei Monate lang ernsthaft versucht.
- LeidensdruckEr beruht auf Ihrer eigenen Einschätzung und lässt sich von aussen weder messen noch übergehen.
- Eingeschränkte LebensqualitätGemeint ist, was im Alltag, im Beruf und im Schlaf nicht mehr möglich ist.
Der Zeitpunkt lässt sich in beide Richtungen verfehlen. Ein zu früher Eingriff nimmt Jahre vorweg, in denen es auch ohne Operation gegangen wäre. Wird zu lange gewartet, geht Muskulatur verloren und die Beinachse weicht ab; beides erschwert die Nachbehandlung.
Auf der Seite Kniegelenkersatz lesen Sie, wie der Eingriff abläuft, worin sich Teil- und Vollprothese unterscheiden und wo die Grenzen liegen. Dort ist auch die roboterarm-assistierte Technik beschrieben.
Wurde Ihnen bereits zu einer Operation geraten, ist eine Zweitmeinung ein üblicher Schritt. Deckt sich die zweite Einschätzung mit der ersten, ist auch das ein Ergebnis.
Ob und wann ein Gelenkersatz infrage kommt, entscheidet sich im Gespräch, nicht am Röntgenbild allein.
Warnzeichen
Wann Sie nicht abwarten sollten
Die Arthrose selbst ist kein Notfall. Einige Beschwerden sollten trotzdem rasch untersucht werden, weil ihnen eine andere Ursache zugrunde liegen kann.
- BlockadeDas Knie lässt sich plötzlich nicht mehr strecken oder beugen. Dahinter kann eingeklemmtes Gewebe im Gelenk stecken.
- Schwellung mit ÜberwärmungEin dickes, gerötetes und heisses Knie sollte untersucht werden, bevor es behandelt wird.
- Fieber mit GelenkschmerzDiese Kombination muss ärztlich abgeklärt werden, besonders nach einer Spritze ins Gelenk oder einer Operation.
- Plötzliche VerschlechterungÄndern sich Schmerz oder Beweglichkeit innerhalb weniger Tage deutlich, ist eine rasche Untersuchung angezeigt.
Rufen Sie in diesen Fällen die Praxis an, statt auf einen regulären Termin zu warten.
Häufige Fragen
Fragen zur Kniearthrose
Muss eine Kniearthrose operiert werden?
Nicht zwangsläufig. Die Behandlung beginnt mit Bewegungstherapie; die Leitlinien nennen sie an erster Stelle, vor dem Medikament und vor der Spritze. Viele kommen damit über Jahre zurecht; bei anderen sind die Möglichkeiten irgendwann ausgeschöpft.
Was bedeutet die Gradzahl in meinem Röntgenbefund?
Sie beschreibt das Bild, nicht Ihre Beschwerden. Die Einteilung nach Kellgren und Lawrence kennt fünf Grade, Grad 0 bis Grad 4. Bei Grad 0 zeigt das Röntgenbild keine Arthrosezeichen, Grad 4 beschreibt einen weitgehend aufgebrauchten Gelenkspalt. Dass Bild und Beschwerden auseinandergehen, ist gut untersucht.
Brauche ich für die Abklärung ein MRI?
Nicht in jedem Fall. Im Röntgenbild werden die Höhe des Gelenkspalts, knöcherne Randanbauten (Osteophyten) und eine Verdichtung des Knochens unter dem Knorpel (subchondrale Sklerose) beurteilt. Ein MRI (Magnetresonanztomografie) hilft dort weiter, wo Meniskus, Bänder oder der Knochen unter dem Knorpel eine eigene Rolle spielen könnten.
Lohnt sich eine Spritze ins Knie?
Für Kortison ist eine kurzfristige Linderung des Schmerzes über Wochen belegt, nicht über Jahre. Vor einem Kniegelenkersatz sieht die Leitlinie wegen des Infektionsrisikos mindestens sechs Wochen, besser drei Monate Abstand zur Kortisonspritze vor. Von Hyaluronsäure rät die britische Leitlinie NICE NG226 ab. Bei der Eigenbluttherapie (PRP) linderte die Spritze in einer grossen placebokontrollierten Studie den Schmerz nicht stärker als eine Kochsalzlösung. Die Leitlinie des American College of Rheumatology (ACR) rät davon ab.
Mir wurde zu einer Operation geraten. Muss ich das so annehmen?
Nein. Bei einer Entscheidung dieser Grösse ist eine Zweitmeinung ein üblicher Schritt. Deckt sich die zweite Einschätzung mit der ersten, ist auch das ein Ergebnis.
Die Angaben auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information. Sie ersetzen weder die ärztliche Untersuchung noch das persönliche Gespräch und stellen keine Diagnose dar. Welche Behandlung im Einzelfall passt, ergibt sich aus Befund, Vorgeschichte und Lebenssituation.
Sprechstunde
Ein Termin in der Sprechstunde
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