Kniegelenkersatz
Knieprothese — Eingriff, Bauformen und Grenzen
Eine Knieprothese überzieht die abgenutzten Gelenkflächen mit Metall und Kunststoff; das Gelenk selbst bleibt an seinem Platz. Hier lesen Sie, wie der Eingriff abläuft, worin sich Teil- und Vollprothese unterscheiden, was die roboterarm-assistierte Technik tut und wo die Grenzen einer Knieprothese liegen.
Voraussetzungen
Wann ein Kniegelenkersatz infrage kommt
Vor jedem Kniegelenkersatz steht die konservative Behandlung (Behandlung ohne Operation): Bewegungstherapie, Schmerzbehandlung, Hilfsmittel und Spritzen ins Gelenk (Infiltration). Bei vielen reicht diese Behandlung über Jahre aus.
Wann sie nicht mehr genügt, zeigt kein einzelner Befund. Die deutschsprachige Leitlinie zur Knieendoprothese nennt fünf Kriterien, die zusammenkommen sollten.
- Anhaltender SchmerzSeit mindestens drei Monaten — und nicht nur unter stärkerer Belastung.
- Fortgeschrittene Arthrose im RöntgenbildGrad 3 oder 4 nach Kellgren und Lawrence, einer Einteilung in fünf Grade von 0 bis 4, auf einer Aufnahme im Stehen (unter Belastung). Der Befund muss zu dem passen, was Sie im Alltag spüren.
- Erfolglose konservative BehandlungDie konservative Behandlung wurde über mindestens drei Monate ernsthaft versucht.
- LeidensdruckWas die Beschwerden Ihnen nehmen, wiegt schwerer als jede Einteilung in Schweregrade.
- Eingeschränkte LebensqualitätBetroffen sind Schlaf, Gehstrecke und Arbeit, aber auch das, was Sie darüber hinaus gern täten.
Keines dieser Kriterien entscheidet für sich allein. Ein Röntgenbild mit deutlichen Veränderungen ist deshalb kein Grund zu operieren, solange Sie damit zurechtkommen.
Eine zu frühe Operation nimmt Jahre vorweg, in denen es auch ohne Knieprothese gegangen wäre. Bei zu langem Warten dagegen weicht die Beinachse ab, und die Muskulatur muss erst wieder aufgebaut werden.
Stehen Sie noch am Anfang der Behandlung, finden Sie die Grundlagen auf der Seite zur Kniearthrose.
Eingriff
Was beim Kniegelenkersatz ersetzt wird
Das Kniegelenk besteht aus drei Abschnitten: dem inneren, dem äusseren und dem Abschnitt hinter der Kniescheibe. Die Arthrose zerstört die Knorpelschicht, auf der die Gelenkflächen gegeneinander gleiten.
Die Knieprothese ersetzt deshalb nicht das Gelenk als Ganzes, sondern seine Oberfläche. Der Oberschenkelknochen erhält eine Kappe aus Metall, der Schienbeinkopf ein Metallplateau. Dazwischen liegt eine Gleitschicht aus Kunststoff (hochvernetztes Polyethylen).
Die eigenen Seitenbänder führen das Gelenk weiterhin. Wie viel vom übrigen Bandapparat erhalten bleibt, hängt vom Befund und von der Bauform ab.
- Oberschenkelknochen
- Kappe aus Metall
- Gleitschicht
- Metallplateau
- Schienbeinkopf
Bauform
Teilprothese oder Vollprothese
Die Frage entscheidet sich am Befund, nicht am Wunsch nach dem kleineren Eingriff.
Teilprothese
Die Teilprothese (Schlittenprothese) ersetzt nur einen der drei Gelenkabschnitte. Der übrige Knorpel und die Kreuzbänder bleiben erhalten, sodass das Gelenk weiterhin von den eigenen Strukturen geführt wird.
Voraussetzung ist, dass die Abnutzung auf einen Abschnitt begrenzt und der Bandapparat stabil ist. Dann ist die Teilprothese der kleinere Eingriff.
Vollprothese
Die Vollprothese (Knie-TEP, kurz für Totalendoprothese) versorgt alle drei Abschnitte. Oberschenkel und Schienbein erhalten neue Oberflächen; die Gleitrinne der Kniescheibe ist Teil des Oberschenkelteils. Die Rückfläche der Kniescheibe bleibt häufig erhalten; ob sie ersetzt wird, entscheidet der Befund. Die Vollprothese kommt infrage, wenn die Abnutzung über einen Abschnitt hinausgeht, die Beinachse deutlich abgewichen ist oder die Bänder das Gelenk nicht mehr sicher führen.
Der Eingriff ist grösser als bei der Teilprothese, setzt aber keine intakten Kreuzbänder voraus. Fehlen die Voraussetzungen für eine Teilprothese, bleibt die Vollprothese.
Zur Entscheidung gehört ein weiterer Punkt: In den Implantatregistern werden Teilprothesen häufiger gewechselt als Vollprothesen.
Das macht die Teilprothese nicht zur schlechteren Wahl. Bei ihr liegt die Schwelle zur Wechseloperation niedriger, und der Wechsel auf eine Vollprothese ist technisch der kleinere Schritt. Ein zweiter Eingriff wird damit aber wahrscheinlicher, und das gehört in die Abwägung.
Welche Bauform zu Ihrem Knie passt, ergibt sich aus Befund und Gespräch.
Roboterassistenz
Was die roboterarm-assistierte Technik tut — und was nicht
Dr. Brauers setzt diese Technik seit Anfang 2021 ein.
Was sie tut
Die Position der Knieprothese wird vor dem Eingriff dreidimensional geplant.
Während der Operation arbeitet der Roboterarm innerhalb der geplanten Grenzen und kontrolliert die Umsetzung fortlaufend.
Was sie nicht tut
Der Roboterarm operiert nicht selbst. Planung, Indikation (die Entscheidung, ob operiert wird) und alle weiteren Entscheidungen bleiben ärztliche Aufgaben.
Die Roboterassistenz ist ein Werkzeug. Sie ändert nichts daran, ob eine Operation angezeigt ist, und sie nimmt der Nachbehandlung keine Arbeit ab.
Was belegt ist — und was offen ist
Belegt ist bislang vor allem eines: Die Knieprothese sitzt näher an der geplanten Achse als bei der konventionellen Technik. Ob sie dadurch länger hält, ist offen. Die bisherigen Registerauswertungen zeigen keinen klaren Vorteil bei der Wechselrate (Revisionsrate). Für eine Aussage über die Standzeit (Haltbarkeit) sind die Systeme zudem noch zu kurz im Einsatz.

Ablauf
Von der Vorbereitung bis zur Nachkontrolle
Die Zeitangaben sind Anhaltspunkte. Wie rasch Sie vorankommen, hängt von Alter, Begleiterkrankungen und der Ausgangssituation ab.
- VorherZur Vorbereitung gehören die Untersuchung, ein Röntgenbild im Stehen und ein Gespräch über Ihre Erwartungen. Hinzu kommen ein Vorgespräch zur Narkose und die Durchsicht Ihrer Medikamente. Nach der letzten Kortisonspritze ins Knie sollten bis zur Operation mindestens sechs Wochen, besser drei Monate vergangen sein. Wer vorher in Bewegung bleibt, hat danach weniger aufzuholen.
- OperationFür den Eingriff erhalten Sie eine Vollnarkose oder eine Spinalanästhesie (Rückenmarksnarkose). In der Regel stehen Sie noch am selben Tag mit Unterstützung auf.
- Woche 1Sie gehen mit Gehstöcken und beginnen, das Knie zu beugen. Dazu kommen Wundkontrolle und Thromboseprophylaxe (Vorbeugung gegen Blutgerinnsel). Schwellung und Wärme am Knie sind in dieser Phase zu erwarten.
- Woche 2–6Die Physiotherapie findet mehrmals pro Woche statt. Schrittweise lassen Sie die Gehstöcke weg, und der Alltag kehrt zurück. Auto fahren sollten Sie erst, wenn das Bein sicher reagiert.
- Monat 3Zur Nachkontrolle sieht Dr. Brauers Sie in der Sprechstunde wieder. Die Schwellung klingt über Monate ab. Wie belastbar das Knie am Ende ist, zeigt sich meist erst im Verlauf des ersten Jahres.
Grenzen
Was ein künstliches Kniegelenk nicht leistet
Eine Knieprothese kann den Schmerz, der vom abgenutzten Gelenk ausgeht, deutlich verringern; wie stark, ist individuell unterschiedlich. Den Zustand vor der Arthrose stellt sie nicht wieder her.
- Anderes Gefühl als im eigenen KnieDie volle Beugung wird selten wieder erreicht. Knien und tiefes Hocken bleiben bei vielen eingeschränkt oder unangenehm.
- Begrenzte HaltbarkeitJedes Implantat kann sich mit den Jahren lockern. Wie lange es hält, hängt von Alter, Gewicht und Belastung ab. Eine für Sie gültige Jahreszahl lässt sich daraus nicht ableiten.
- InfektionSie ist selten, aber die ernsteste der Komplikationen. Eine Infektion kann weitere Eingriffe nötig machen, bis hin zum Wechsel des Implantats.
- ThromboseNach dem Eingriff ist das Risiko für Blutgerinnsel erhöht. Zur Vorbeugung dienen Blutverdünnung und frühe Bewegung.
- NervenirritationHäufig entsteht neben der Narbe, meist an der Aussenseite, eine taube Stelle. Sie stört in der Regel wenig und bildet sich nicht immer zurück.
- Schmerz ohne fassbaren BefundEin Teil der Operierten bleibt unzufrieden, obwohl das Implantat gut sitzt. Diese Möglichkeit wird vor dem Eingriff besprochen, nicht erst danach.
Wurde Ihnen bereits zu einer Operation geraten, können Sie eine Zweitmeinung einholen.

Ihr Beitrag
Was Sie selbst beitragen
Der grössere Teil der Arbeit liegt in den Wochen nach dem Eingriff. Eine gut sitzende Knieprothese genügt allein nicht; es braucht auch ein Bein, das wieder trainiert ist.
Dazu gehören regelmässige Physiotherapie über Wochen und Bewegung auch ausserhalb der Therapie, so viel, wie das Knie verträgt. Und es braucht Geduld: Die Schwellung geht erst über Monate zurück.
Rauchen und deutliches Übergewicht wirken sich auf die Wundheilung aus. Es lohnt sich, vor dem Eingriff anzugehen, was sich davon ändern lässt.
Die Belastbarkeit kehrt schrittweise zurück.
Häufige Fragen
Fragen zur Knieprothese
Teilprothese oder Vollprothese — woran entscheidet sich das?
Am Befund, nicht am Wunsch nach dem kleineren Eingriff. Die Teilprothese (Schlittenprothese) ersetzt nur einen der drei Gelenkabschnitte. Voraussetzung ist, dass die Abnutzung auf diesen Abschnitt begrenzt und der Bandapparat stabil ist. Geht die Abnutzung darüber hinaus oder weicht die Beinachse deutlich ab, kommt die Vollprothese infrage.
Was bringt die Roboterassistenz?
Belegt ist bislang vor allem eines: Die Knieprothese sitzt näher an der geplanten Achse als bei der konventionellen Technik. Ob sie dadurch länger hält, ist offen. Die bisherigen Registerauswertungen zeigen keinen klaren Vorteil bei der Wechselrate (Revisionsrate). Für eine Aussage über die Standzeit (Haltbarkeit) sind die Systeme zudem noch zu kurz im Einsatz. Der Roboterarm operiert nicht selbst. Planung, Indikation (die Entscheidung, ob operiert wird) und alle weiteren Entscheidungen bleiben ärztliche Aufgaben.
Wie lange hält ein künstliches Kniegelenk?
Jedes Implantat kann sich mit den Jahren lockern. Wie lange es hält, hängt von Alter, Gewicht und Belastung ab. Eine für Sie gültige Jahreszahl lässt sich daraus nicht ableiten.
Wann kann ich wieder Auto fahren?
Erst, wenn das Bein sicher reagiert. In den ersten Wochen gehen Sie mit Gehstöcken und lassen sie schrittweise weg; die Physiotherapie findet mehrmals pro Woche statt. Die Zeitangaben sind Anhaltspunkte. Wie rasch Sie vorankommen, hängt von Alter, Begleiterkrankungen und der Ausgangssituation ab.
Fühlt sich ein künstliches Kniegelenk wie das eigene an?
Nein. Eine Knieprothese kann den Schmerz, der vom abgenutzten Gelenk ausgeht, deutlich verringern; wie stark, ist individuell unterschiedlich. Den Zustand vor der Arthrose stellt sie nicht wieder her. Die volle Beugung wird selten wieder erreicht, und Knien wie tiefes Hocken bleiben bei vielen eingeschränkt oder unangenehm.
Die Angaben auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information. Sie ersetzen weder die ärztliche Untersuchung noch das persönliche Gespräch und stellen keine Diagnose dar. Welche Behandlung im Einzelfall passt, ergibt sich aus Befund, Vorgeschichte und Lebenssituation.
Sprechstunde
Ein Termin in der Sprechstunde
Sie können einen Termin anfragen, wenn Sie eine Abklärung, eine zweite Einschätzung oder ein Gespräch über einen vorliegenden Befund wünschen. Bringen Sie vorhandene Bilder, Berichte und Ihre Fragen mit.
- Telefon
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